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Presse
Dioxin: Entwarnung aus Rondeshagen, Lübecker Nachrichten vom 3.7.2009
Rondeshagens Giftmüll: Die ersten Bodenproben seit 1993, Lübecker Nachrichten vom 14.5.2009
Lübecker Nachrichten: Leserbrief vom 18.Febr.2009
Lübecker Nachrichten: Leserbrief vom 11.Okt.2008
Deponiegegener fordern Messungen, Lübecker Nachrichten vom 2.Oktober 2008
Rondeshagenener Bürger protestieren weiter, Ratzeburger Markt vom 9.April 2008
Sonderabfalldeponie beunruhigt weiter die Gemüter, Lübecker Nachrichten vom 6.April 2008
Keine Trockenasche nach Rondeshagen, Lübecker Nachrichten vom 4.April 2008
Sonderdeponie: nichts entschieden, Lübecker Nachrichten vom 29.März 2008
Schleswig-Holstein-Magazin vom 28.März 2008
Giftasche: Böser Brief an den Landrat, Lübecker Nachrichten vom 26.März 2008
Proteste gegen Giftmülldeponie gehen weiter, Ratzeburger Markt vom 26.März 2008
Aufstand gegen Deponiepläne, Lübecker Nachrichten vom 23.März 2008
Rondeshagen - Die Menschen rund um die Sondermülldeponie Rondeshagen können aufatmen: Eine neue Untersuchung in Rondeshagen und Berkenthin hat einen noch unbedenklichen Gehalt an Dioxin im Boden festgestellt. Es war die erste neutrale Untersuchung seit 1993.
Rondeshagen - Jetzt liegen die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der ersten Bodenuntersuchung seit 1993 rund um die Giftmülldeponie Rondeshagen vor. Die Werte, berichtet Volker Peters von der Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie, seien "nicht bedenklich: Wir sind erleichtert".
Weder auf dem in Windrichtung der Deponie liegenden Berkenthiner Sportplatz noch im Kindergarten noch am Friedhof geht eine Gefahr durch Dioxine und Furane für die Menschen dort aus. Die Werte, hat der Kieler Bodenschutzdienst für Städte und Gemeinden herausgefunden, lägen zwischen drei und sieben Nanogramm pro Kilogramm Boden.
Das sei zwar eine leichte Erhöhung gegenüber anderen Gegenden, doch selbst für den Kindegarten in Berkenthin gelten nach diesen Ergebnissen keine Einschränkungen in der Nutzung.
5000 Euro hat die Untersuchung gekostet. Der Aufwand hat sich gelohnt. Getragen von den elf Gemeinden des Amtes Berkenthin freut sich Berkenthins Bürgermeister Hans-Joachim Speth, "dass dieses Ergebnis beruhigend auf die Bevölkerung wirkt".
Die Experten vom Bodenschutzdienst empfehlen allerdings weitere Untersuchungen in Intervallen von drei bis fünf Jahren sowie, noch im Labor lagernde Proben auf Schwermetalle, auf Arsen und Thallium zu untersuchen. Ihre Empfehlung stößt bei den engagierten Gegnern der Deponie auf offene Ohren. Vor ziemlich genau 20 Jahren haben sie das erste Mal demonstriert.
Damals ging es gegen die Einlagerung von Kresol verseuchtem Boden in Rondeshagen. Das Gift stammte von einem Lastwagen an der Autobahn 1. "Wir haben so lange protestiert, bis uns die Polizisten wegtrugen", erinnert sich Thomas Stahlkopf aus Kastorf. Das Kresol, sagt er, sei heute noch dort, obwohl es zunächst nur zwischengelagert werden sollte.
Aus jener Zeit stammt ein tiefes Misstrauen gegen die "Gesellschaft zur Beseitigung von Sondermüll". Stahlkopf sieht da "immer noch viel im Dunklen" liegen: "Da sind noch viele Fragen offen", sagt er.
Nun hofft er, hoffen seine Mitstreiter, dass die beruhigenden Ergebnisse der jüngsten Bodenuntersuchung zu einer besseren Kommunikation mit den Betreibern führt. Die Untersuchung hatte die Bürgervereinigung auch deshalb angeregt, weil es zu viel Unklarheit darüber gibt, was denn nun tatsächlich unter den Hallen ohne Seitenwände am Ortsrand der kleinen Gemeinde Rondeshagen lagert.
Seit Wochen zum Beispiel, monieren die Gegner, schießen in der Gegend wieder die Gerüchte ins Kraut, dass die Deponiebetreiber die Gebäude ausbauen würden. Damit mehr eingelagert werden kann.
Das wissen die Deponiegegner besser. Tatsächlich werde nur der Neigungswinkel der Dächer verändert, weiß Stahlkopf: "Bei mehr Offenheit wäre eine solche Unruhe nicht entstanden."
Trotz ihrer Erleichterung sprechen die Deponiergegner allenfalls von einem "Etappensieg". Sie wollen weiterhin ein waches Auge auf die Entwicklung haben, wollen die Bürger aufklären. Ein Freudenfest aufgrund des beruhigenden Ergebnisses wollen sie aber nicht feiern.
2015 soll die Deponie geschlossen werden, berichtet Rondeshagens Bürgermeister Andreas Albrecht.Danach ist die Aufgabe der Initiative allerdings nicht beendet. Immerhin geht es dann um eine "Nachsorge" von 30 Jahren.
Von Uwe Krog
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Rondeshagens Giftmüll: Die ersten Bodenproben seit 1993
| Den Nachbarn der Deponie reicht es. Jetzt beauftragten sie den Fachmann Bernd Schemschat mit Bodenproben. Etwa 30 Jahre Jahre kämpft die "Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie" in Rondeshagen. Oftmals mit Erfolg |
| Rondeshagen - Das Unbehagen über Rondeshagens Giftmülldeponie ist so groß, dass Bürger nun selbst Bodenproben veranlassten. Es war Anfang April, als der Mann im kurzärmeligen Poloshirt, mit Eimer, Spaten und Messgeräten auf dem Gutsfriedhof östlich der Rondeshagener Sondermüll-Deponie anrückte. Der Diplom-Ingenieur vom Kieler "Bodenschutzdienst für Städte und Gemeinden" nahm Bodenproben. Auf dem Friedhof, auf der Berkenthiner Sportanlage und in der Von-Parkenthin-Straße, am Kindergarten und in Groß-Berkenthin an der Kirche. Die Ergebnisse stehen noch aus. |
Der Spezialist war gekommen auf Bitten der "Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie". Denn die will endlich Klarheit über die Gefahren, die der Wind möglicherweise auf Äcker und Grünanlagen, durch Straßen und in Gärten weht. Die Angst vor Dioxin und Furanen geht um in Berkenthin, in Rondeshagen, in Groß Weeden, überall dort im Süden Lübecks, wo der Wind die giftigen Reste von Industrieasche verbreiten könnte. 1993 habe es, berichtet Volker Peters aus Berkenthin, die letzte Untersuchung auf Dioxin gegeben. Die Messergebnisse seien damals als "unbedenklich" eingestuft worden. |
Das ist freilich lange her, aber es ist nichts mehr geschehen. Obwohl der Gutachter damals regelmäßige Untersuchungen empfahl. Obwohl die Bürgeriniative und besorgte Nachbarn der Deponie die wechselnden Umweltminister immer wieder drängten, neue Untersuchungen zu veranlassen. Das Misstrauen gegenüber den Betreibern sitzt tief. Die Leute fühlen sich nicht ernst genommen. "Immer, wenn wir den Geschäftsführer der Deponie sprechen wollen, ist der gerade in Urlaub", berichtet Silke Brandt von ihren Erfahrungen. So haben sie jetzt selbst die Initiative ergriffen, unterstützt vom Amt Berkenthin, das die Kosten für die Untersuchungen trägt. |
In den nächsten Tagen sollen die Ergebnisse vorliegen. Spannung macht sich jetzt breit in und um Rondeshagen. Die Leute "wollen endlich wissen, wie gefährlich sie leben", sagt Sprecher Volker Peters. Er selber hoffe inständig, "dass alles in Ordnung ist". von Uwe Krog |
| Von N.Dreessen und M.Stein Mölln - Bürger sind weiter in Sorgen wegen der Sonderabfalldeponie Rondeshagen. Gestern bekam das Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) in Mölln zu spüren. Nicht jedes Geschenk löst Freude aus: "Mit giftigen Grüßen aus Rondeshagen" stand auf den kleinen Staubbeuteln, die gestern Nachmittag die Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie in der kleinen Gemeinde verteilten, als etwa 20 Aktive im Regen vor dem Möllner Quellenhof demonstrierten. Dort fand der CDU-Kreisparteitag statt. Ehrengast war Christian von Boetticher (CDU), Chef des Landesministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. |
Noch bevor der Minister den Versammlungssaal betrat, wurde er von Mitgliedern der Bürgerinitiative in eine Diskussion verwickelt. Von Boetticher erklärte noch einmal, er gehe davon aus, dass auf der Deponie Rondeshagen auch in Zukunft kein trockener Filterstaub aus Müllverbrennungsanlagen angeliefert werde: "Die Betreibergesellschaft wird einen solchen Antrag nicht stellen. Davon können Sie ausgehen." Klaus Schlie, CDU-Kreisvorsitzender und zugleich Staatssekretär im Kieler Finanzministerium, und der lauenburgische Kreispräsident Meinhard Füllner hatten sich bereits 30 Minuten vor Beginn des Parteitags den Demonstranten gestellt |
und erklärten ihnen mehrmals, ihre Besorgnis über die Anlieferung des hochgiftigen Staubs sei inzwischen überflüssig: "Die Bürger vor Ort haben gemeinsam mit der Gemeinde, dem Amt und dem Kreis einen wichtigen Erfolg geschafft", so Schlie. Er selbst sei auch stets gegen die Erweiterungspläne gewesen, habe dies "aber nicht an die große Glocke gehängt". Forderungen, die Deponie völlig zu schließen, konnte Schlie gestern jedoch nicht unterstützen: "Wir leben in einem Rechtsstaat, und deshalb werden die Gesetze auch eingehalten." Zu Wort gemeldet in der aktuellen Debatte hat sich auch Olaf Schulze aus Geesthacht als abfallpolitischer Sprecher |
der SPD-Landtagsfraktion: "Wir sind froh, dass das Umweltministerium von den Plänen, die Sondermülldeponie umzurüsten, Abstand nimmt. Vom Transport und der Behandlung von trockener Flugasche und Filterstäuben in der Sondermülldeponie Rondeshagen wären zu viele Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung ausgegangen." Im Mittelpunkt des gestrigen CDU-Kreisparteitages stand die Beratung des Kreiswahlprogramms. Auftakt dazu war eine Grundsatzrede des Spitzenkandidaten, Kreispräsident Füllner. Über Aussprache und Beschlussfassung berichten wir noch. |
| Von Martin Stein Rondeshagen - Kiel sagt das umstrittene Projekt ab, und die Deponie-Nachbarn atmen auf. Zugleich gibt es weiter überraschend viele warnende Stimmen in der Region. Auf diese Nachricht haben Tausende von Menschen monatelang gewartet: Die Landesregierung in Kiel sieht die Einrichtung einer Konditionierungsanlage für die Sonderabfalldeponie in Rondeshagen als nicht mehr erforderlich an. Damit entfällt die Anlieferung von trockenem Filterstaub. Die Furcht vor diesen hochgiftigen Rückständen aus der Müllverbrennung sorgt seit Wochen für heftige Proteste in der Region. Das Umwelt- sowie das Finanzministerium erklärten gestern Vormittag, dass die zur Debatte stehenden Filterstäube "wegen zu hoher Salzgehalte" für eine Ablagerung in Rondeshagen nicht in Frage kämen. Deshalb bezweifelten die beiden Ministerien "die weitere Sinnhaftigkeit" des Antrages der Gesellschaft zur Beseitigung von Sonderabfällen (GBS) auf Genehmigung einer Befeuchtungsanlage. Das Land wolle beim Mitgesellschafter |
Hamburg darauf hinwirken, dass das Projekt zu den Akten gelegt werde. Weiter heißt es in der Erklärung: "Die Landesregierung wird in Abstimmung mit Hamburg zudem Gespräche mit der GBS aufnehmen mit dem Ziel, die Verfüllung der Deponie bis 2015 bei auskömmlichen Erlösen sicherzustellen. Sie plant außerdem weiterhin nach der Verfüllung keine Folgeanlage." Die ersten Reaktionen in Rondeshagen und Umgebung auf diese Entscheidung waren von Freude, Erleichterung und zugleich immer wieder von Misstrauen und warnenden Stimmen geprägt. "Das ist schon eine Freude für uns", sagte Bürgermeister Heinz Albrecht, um dann sofort mahnende Worte folgen zu lassen: "Jetzt muss man erstmal abwarten, was das alles im Einzelnen bedeutet." Ebenso äußerte sich Thomas Stahlkopf von der Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie: "Ein schöner Etappensieg, aber wir müssen wachsam bleiben." Grund für ihre Skepsis war unter anderem die ausstehende Erklärung der Hansestadt Hamburg. |
Landrat Gerd Krämer und Kreispräsident Meinhard Füllner begrüßten die Nachricht aus Kiel. Dabei machten sie kein Hehl aus ihrer Kritik an den Verantwortlichen in Kiel und Neumünster, dem Sitz der GBS: "Ich gehe davon aus, dass bei allen weiteren Verfahrensschritten, die die Sonderabfalldeponie Rondeshagen betreffen, eine frühzeitige und vertrauensvolle Abstimmung mit dem Kreis, dem Amt, der Gemeinde Rondeshagen und auch den Bürgerinnen und Bürgern erfolgt", stellte der Landrat fest. Nach Auffassung von Krämer und Füllner hätte "die gesamte Aufregung der vergangenen Wochen vermieden werden können, wenn gleich zu Beginn der Planungen für die Einrichtung einer Konditionierungsanlage eine breite öffentliche Information und Beteiligung stattgefunden hätte". Der CDU-Kreisvorsitzende, Staatssekretär Klaus Schlie, und der Landtagsabgeordnete Niclas Herbst (CDU) aus Ratzeburg äußerten sich ebenfalls zufrieden mit der Entscheidung und sahen keinerlei Interpretationsspielraum |
beim Blick auf die Mitteilung aus den beiden Ministerien: "Damit ist das Thema der Einlagerung von nicht befeuchteten Stäuben in Rondeshagen endgültig vom Tisch. Wir sind außerordentlich erleichtert und erfreut darüber, dass es nun keine Einlagerung derartiger Filterstäube geben wird. Weiterhin ist es politisch bedeutsam und für die Bürgerinnen und Bürger im Raum Rondeshagen besonders wichtig, dass die Landesregierung erklärt, dass es nach der Verfüllung der Deponie keine Folgeanlage gibt." Der Landtagsabgeordnete Peter Eichstädt (SPD) aus Groß Grönau, der früher selber in Rondeshagen wohnte, gratulierte den Bürgerinnen und Bürgern zum Erfolg ihrer Proteste gegen die Pläne der GBS: "Das war eine längst überfällige Entscheidung, bei der ich mich jetzt frage, welcher Erkenntnisgewinn in einem Jahr dazu geführt hat, jetzt zu dieser Erkenntnis zu kommen. Die Verantwortlichen haben die Notbremse gezogen. Übernehmen sie jetzt auch für den angerichteten Vertrauensverlust die Verantwortung?", fragte Eichstädt. |
| Rondeshagen - Überall in Rondeshagen und Umgebung hatte sich gestern Vormittag die Nachricht vom Verzicht auf die umstrittene Konditionierungsanlage herum gesprochen. Auch auf dem Deponiegelände selber: Die Mitarbeiter der GBS waren zwar auch am Nachmittag noch nicht von ihrem Arbeitgeber informiert worden, wussten jedoch aufgrund einer Radiomeldung Bescheid. Einer der Beschäftigen meinte, dass er "nicht traurig" sei über die Nachricht. Berkenthins Bürgermeister Joachim Speth wusste am Vormittag noch nichts von der Meldung aus Kiel. Als er die Neuigkeit von den LN erfuhr, reckte er jubelnd eine Faust in die Höhe. Landrat Gerd Krämer und Kreispräsident Meinhard Füllner erinnerten in ihrer Stellungnahme an die schwierige Diskussion bei der Einrichtung der Deponie: "Damals bestand zwischen den |
großen und wichtigen politischen Kräften im Kreistag eine große Einmütigkeit, die seinerzeit zu einem vertretbaren Ergebnis führte. Und diese Einmütigkeit hat bis heute unverändert Bestand." Füllner und Krämer begrüßten auch die Aussage, dass über 2015 hinaus keine Nachfolgenutzung vorgesehen sei. Der CDU-Landtagsabgeordnete Niclas Herbst und der CDU-Kreisvorsitzende Klaus Schlie dankten Umweltminister Christian von Boetticher ausdrücklich für sein persönliches Engagement in der Angelegenheit. Die gemeinsamen Anstrengungen der Bürgerinitiative, der Gemeinde, des Amtes, des Kreises und der Politiker hätten bewirkt, dass es zu der "wichtigen Entscheidung" im Interesse der Menschen in der Region Rondeshagen und des Kreises gekommen sei. |
Die FDP-Kreisvorsitzende Dr. Christel Happach-Kasan wies auf "Ungereimtheiten und Hintertüren" hin: "Die FDP wird äußerst scharf beobachten, was von den Versprechungen des CDU-Umweltministers nach der Kommunalwahl übrig bleibt. Die Begründung mit den salzhaltigen Stäuben trifft nur für einen einzelnen Anlieferer zu." Klaus Koch, diplomierter Ökologe vom Umweltnetzwerk Hamburg, wies auf eine Reihe von ungelösten Problemen hin. Für Unglücksfälle auf der Deponie gebe es keine Alarmpläne für die Region, die in kleinsten Konzentrationen gefährlichen Langzeitgifte würden nicht in vollständig geschlossenen Hallen gelagert, es fehle an wissenschaftlich begleiteten Schadstoffuntersuchungen in unmittelbarer Umgebung, und es sei bislang nicht untersucht |
worden, was im Falle eines Deponiebrandes zum Schutze der Bevölkerung vorzuhalten sei. Ebenfalls Sorgen machen sich die Grünen. Bei einem Besuch der Deponie in dieser Woche sprach die Landtagsabgeordnete Angelika Birk den Punkt an, dass bei Verbrennungsanlagen immer öfter Filterstäube nicht befeuchtet würden: "Wie kann es angehen, dass ohne eine breite Beteiligung die Erzeuger bundesweit Schritt für Schritt auf diesen Standard verzichtet haben?" Die Sorgen der Menschen spiegeln sich jetzt auch im Internet wider. "Das Dorf und der Tod" heißt ein Videofilm, den die Schüler Steffen Regis und Moritz Thörner mit einem Text von Andrea Jeska geschnitten und vertont haben. Wer ihn sehen möchte, muss auf der Seite von "youtube" in der Suchleiste "Rondeshagen" eingeben. mst/jeb |
Sonderdeponie: nichts entschieden
Gesellschafter sehen noch Klärungsbedarf - Bevölkerung will weiter protestieren
| Von Martin Stein Rondeshagen - Das Hoffen und Bangen geht weiter. Hamburg und Schleswig-Holstein haben noch immer keine Entscheidung getroffen, ob künftig auch giftige Trockenasche in der Sonderdeponie Rondeshagen angeliefert wird. Die Bevölkerung ist strikt dagegen. Seit mehr als einem Jahr wird über die Pläne zur Einrichtung einer Befeuchtungsanlage für die Sonderdeponie in Rondeshagen diskutiert, die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg haben sich als Gesellschafter der Betreiber-GmbH noch immer nicht zu einer Entscheidung durchgerungen. Die Gesellschafterversammlung kam am Donnerstag in Neumünster zu dem Ergebnis, dass "noch einige Fragen insbesondere zur Wirtschaftlichkeit" |
zu klären seien. Das solle umgehend geschehen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Steiner sagte den LN gestern, dass damit Mitte oder Ende April zu rechnen sei. Steiner gibt seinen Posten in der Gesellschaft zur Beseitigung von Sonderabfällen (GBS) in der kommenden Woche ab, weil er in den Ruhestand geht. In Rondeshagen und den Nachbardörfern ist die andauernde Hängepartie mit Unmut aufgenommen worden. "Das ist enttäuschend", sagte Bürgermeister Heinz Albrecht, der wie alle seine Nachbarn in der näheren und weiteren Umgebung darauf gehofft hatte, dass die Gesellschafter die Planungen endlich zu den Akten legten. Die Bevölkerung fürchtet um die Gesundheit von Mensch und Natur, wenn in Rondeshagen künftig trockener |
Sondermüll angeliefert werden dürfte. Die Landtagsabgeordneten Niclas Herbst (CDU) aus Ratzeburg und Peter Eichstädt (SPD) aus Groß Grönau reagierten ungehalten auf die Neuigkeiten aus Neumünster. Herbst zeigte sich verwundert über die Argumente der Gesellschafter: "Die Fragen zur Wirtschaftlichkeit hätte man schon am Anfang des Verfahrens klären müssen." Eichstädt machte aus seiner Empörung über eine Formulierung in der GBS-Pressemitteilung keinen Hehl: Es sei "unglaublich" zu behaupten, dass das geplante Vorhaben mit "keinen gesundheitlichen Risiken verbunden" sei. |
In der Region werden die Proteste jetzt wie in den vergangenen Wochen weiter gehen. Auf dem Terminplan steht unter anderem eine Bürgerversammlung am Donnerstag, 10. April, um 19 Uhr im Sportzentrum Berkenthin, zu der Albrecht den GBS-Geschäftsführer Hans J. Berner einladen will. Mit einem unfreundlichen Empfang muss Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) rechnen, wenn er demnächst wieder im Lauenburgischen ist: Der CDU-Kreisverband kündigte ihn als prominentesten Redner bei seinem Programmparteitag am Sonnabend, 5. April, im Möllner Quellenhof an. Unionsmitglieder wollen den Ressortchef mit kritischen Fragen konfrontieren, vor dem Saal werden Demonstranten aus dem Amt Berkenthin erwartet. |
Gunar Schlage, Chef der SPD-Kreistagsfraktion, versicherte den besorgten Bürgern gestern noch einmal, dass die gesamte Kreispolitik auf ihrer Seite sei. Die Bevölkerung habe "Zusagen, die die Politik einhalten muss", sagte Schlage mit Blick auf die Verantwortlichen in Kiel und Hamburg. Kritisch äußerte sich der SPD-Fraktionschef zu Aussagen von Amtsvorsteher Karl Bartels (CDU), der zugleich Kreistagsabgeordneter ist. Es sei wenig hilfreich, wenn Bartels jetzt Keile treibe und gegen den Kreis wettere, er habe nicht richtig reagiert. "Das ist der falsche Zeitpunkt, solche Fragen zu stellen." |
Nach Protesten von Anwohnern, der Bürgervereinigung und den Gemeinden im Amtsbezirk Berkenthin vorerst keine Lagerung von giftiger Flugasche in der Sondemülldeponie Rondeshagen
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Giftasche: Böser Brief an den Landrat
Amtsvorsteher Bartels: "Üble Tricks"
| Von Uwe Krog Rondeshagen - Landrat Gerd Krämer hat einen bitterbösen Brief von Berkenthins Amtsvorsteher Karl Bartels erhalten. "Der wird geschluckt haben", sagt Bartels. Noch am vergangenen Sonnabend gehörte der Körper des Amtsvorstehers zur Traube von Menschenleibern, die auf dem Berkenthiner Sportplatz den Begriff "Depo-Nie" bildeten. Rechts und links, vor und hinter ihm die Bürgermeister der um die Sondermüll-Deponie von Rondeshagen gelegenen Gemeinden - und viele Aufgeschreckte, insgesamt etwa 500 Menschen. Pastor Wolfgang Runge beklagte die "personelle Verfilzung" zwischen Müllhandel und Genehmigungsbehörde. Die Bevölkerung, so Bartels Fazit, habe mit dieser Demonstration bewiesen, dass ein Minister ihre Sorgen, ihre Ängste nicht übergehen könne. Eine Anlage zur Befeuchtung von gefährlicher Asche aus Müllverbrennungsanlagen soll entstehen. Dagegen wehren sich die Bewohner mit allen Mitteln. Deshalb hat Karl Bartels diesen Brief an den Landrat geschrieben. Der Amtsvorsteher und seine Verwaltung fühlen sich vom Land und vom Kreis gleichermaßen ausgetrickst. Bartels setzt jetzt auf ein neues Genehmigungsverfahren, wenn das überhaupt noch notwendig sei. Die Entscheidung darüber, ob die neue Anlage kommt und damit giftige Trockenasche durch die Gegend gekarrt wird, soll am kommenden Donnerstag fallen. Es scheint möglich nach den Protesten, dass die Betreibergesellschaft ihren Antrag zurückzieht oder der Minister das Vorhaben ablehnt. Nun warten alle mit Spannung auf das Ergebnis dieser Aufsichtsratssitzung, an der Rondeshagens Bürgermeister Heinz Albrecht und Dr. Carl-Heinz Schulz aus der Kreisverwaltung teilnehmen. Schulz, bei der Kreisverwaltung unter anderem zuständig für Abfall und Bodenschutz, scheint zwar für eine Genehmigung der neuen Anlage in Rondeshagen wenig Verständnis zu haben: "Dadurch wird die Lage nur künstlich angeheizt, die Akzeptanz der |
Deponie geht den Bach 'runter." Theoretisch sei die Anlage zwar durchsetzbar. "Das gibt nur noch mehr Ärger." Aber die Vorwürfe von Karl Bartels gehen auch ihn etwas an. Seine Behörde habe als Mittler zwischen dem Landesamt für Naturschutz und dem Amt Berkenthin gewirkt. Deshalb könne er den Brief nicht verstehen: "Das Amt Berkenthin ist zu allen Zeiten über den jeweiligen Sachstand informiert gewesen", sagt Schulz. Amtsvorsteher Bartels indes will rechtlich überprüfen lassen, ob ein neues Genehmigungsverfahren für den Bau der Befeuchtungsanlage möglich sei. Wenn die Anlage allerdings gebaut würde, lohne es sich nicht, "gegen etwas anzurennen, was unvermeidbar ist". Anders die Bürgervereinigung von Rondeshagen. Am Sonnabend hat sie allein in drei Stunden 200 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. "Die Unterschriften und die Aktion am Sonnabend waren nur der Anfang", sagt Kersten Brüggmann. Wie es weitergehe mit den Protesten, "hängt vom Ausgang der Sitzung am Donnerstag ab". So blicken in und um Rondeshagen rund 8000 Betroffene am Donnerstag mit Spannung nach Flintbek, wo das Treffen des Aufsichtsrates sein soll. Der Kastorfer Thomas Stahlkopf teilt den verhaltenen Optimismus auf ein Abwenden der neuen Anlage allerdings nicht. "Ich bin da sehr skeptisch nach allen Erfahrungen mit dieser Deponie." Die Menschen fürchten um gesundheitliche Schäden, sollte die giftige Trockenasche in die Umwelt geraten. Niemand weiß, wohin sie fliegen würde. Sie fürchten um den Wert ihrer Häuser. Im Fremdenverkehrsgewerbe geht die Angst vor leeren Betten um. Und für Briefeschreiber Bartels steht jetzt "die politische Glaubwürdigkeit" auf dem Spiel. |